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Antwort auf "Männerbenachteiligung begegnen"

Familienpolitik

aus dem Bundeskanzleramt

Sehr geehrter Herr Bohnsack,

wie Sie zutreffend darstellen, sind Frauen in unserer Gesellschaft noch nicht überall gleichberechtigt. Frauen in Führungspositionen beispielsweise sind noch immer unterrepräsentiert: Keiner der 50 Top-Konzerne in Deutschland wird von einer Frau geleitet. Bei Vorstandspositionen liegt der Frauenanteil bei elf Prozent. Zudem werden Frauen in der freien Wirtschaft - für im wesentlichen gleiche Arbeiten - oft deutlich schlechter bezahlt als Männer.

Hinzu kommt, dass sich Frauen noch immer viel grundsätzlicher vor die Frage gestellt sehen, inwieweit sich Familiengründung und Aufnahme oder Weiterführung einer Berufstätigkeit miteinander vereinbaren lassen. Noch immer kümmern sich insbesondere die Frauen um die Kinder und unterbrechen beziehungsweise beenden dafür ihre Berufstätigkeit.

Dabei benötigt die Wirtschaft die jungen, gut ausgebildeten Frauen genauso dringend wie adäquat ausgebildete Männer. Elterngeld, Elternzeit und bessere Angebote zur Kinderbetreuung erleichtern es gerade den jungen Frauen, Kinder und Karriere miteinander zu verbinden. Aber auch junge Väter unterstützt die Bundesregierung dabei, mehr Zeit für ihre Kinder zu haben - beispielsweise mit den Partnermonaten beim Elterngeld sowie der Möglichkeit zur Elternzeit.

Dass Frauen durchschnittlich länger leben als Männer, trifft zu. Nach allen wissenschaftlichen Erhebungen hat dies aber verschiedene Ursachen: Experten schätzen vorsichtig, dass biologische Unterschiede gut die Hälfte der zusätzlichen Lebensjahre ausmachen. Der übrige Teil ist demzufolge kulturell bzw. verhaltensbedingt. Vor allem Ernährung spielt hier eine wichtige Rolle. Zudem sind weit mehr Männer als Frauen übergewichtig beziehungsweise fettleibig. Übergewicht/Fettleibigkeit gilt als eine der Ursachen für Bluthochdruck, Herzgefäßerkrankungen und Herzinsuffizienz. Zudem achten Männer statistisch gesehen häufig weniger auf Warnsignale ihres Körpers und suchen oft zu spät einen Arzt auf.

Tatsächlich ist Gleichberechtigung an den Schulen Realität, weshalb Mädchen aufgrund ihres Entwicklungsvorsprungs, größeren Fleißes und höherer Lernmotivation im Vorteil sind. Eine gezielte Jungenförderung ist allerdings keine Lösung. Jedoch das, was derzeit alle Bundesländer deutlich verbessern wollen: die individuelle Förderung jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers zum Beispiel durch mehr Ganztagsschulen mit Förderangeboten.

Im Frühjahr 2005 startete ein vom Bundesfamilienministerium gefördertes Projekt: „Neue Wege für Jungs“. Ziel ist es, Jungen neue Wege und vielfältige Perspektiven für ihre individuelle Berufs- und Lebensplanung aufzuzeigen. Traditionelle Männerberufe in Handwerk und Industrie sind Jungen bekannt und stehen noch immer an erster Stelle bei ihren Berufswünschen. Der Wandel des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes eröffnet auch für sie neue Chancen bei der Berufswahl. (). Es geht dabei um gleiche Chancen beim Zugang zu Jobs, Studien- und Ausbildungsplätzen, um gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten in unserer Gesellschaft.

Diese Gedanken verfolgt die Bundesregierung auch bei der anstehenden Reform des Unterhaltsrechts: Das Kindeswohl wird vor dem Wohl der Eltern stehen, die „nacheheliche Eigenverantwortung“ der Partner wird gestärkt. Das bedeutet: Die Gerichte haben bald mehr Möglichkeiten, den nachehelichen Unterhalt zu befristen oder zu begrenzen. Zudem werden die Kinderbetreuungsmöglichkeiten vor Ort mitentscheidend sein für die Frage, ob für den betreuenden Elternteil die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zumutbar ist.

Mit freundlichen Grüßen

 

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